🗼 Tokio mit Kindern – zwischen Neonlichtern und Tempelglocken.
Tokio mit Kindern – allein der Gedanke daran war für uns vor dieser Reise eine Mischung aus Faszination und leiser Skepsis. Zu groß. Zu laut. Zu schnell. Kann eine der größten Metropolen der Welt wirklich als entspannter Familien-Städtetrip funktionieren? Eine Stadt mit Millionen Menschen, endlosen Bahnlinien und Neonlichtern bis zum Horizont – in einem Alltag, der sich völlig anders anfühlt als unserer?
Nach fünf Tagen können wir sagen: Ja, es funktioniert. Nicht immer ruhig. Nicht immer übersichtlich. Aber überraschend sicher, unglaublich strukturiert und voller Momente, die uns als Familie nachhaltig beeindruckt haben.
In diesem Reisebericht teilen wir unsere persönlichen Erfahrungen, praktische Reisetipps und ehrlichen Einschätzungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Tagesausflügen und zur Planung einer Tokio-Reise mit Familie – damit ihr euch ein realistisches Bild machen und euren Aufenthalt entspannt vorbereiten könnt.
Was Tokio für uns so besonders machte, war dieser permanente Kontrast: das geordnete Chaos an der Shibuya Crossing, in dem tausende Menschen gleichzeitig die Straße überqueren – und niemand rempelt. Die absolute Stille im Wald des Meiji-Schreins, nur wenige Minuten entfernt von blinkenden Bildschirmen und Hochhäusern. Tempelglocken zwischen Glasfassaden. Streetfood-Duft in engen Gassen, während an der nächsten Ecke Getränkeautomaten in Reih und Glied stehen.
Es waren nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, die blieben. Es war die erste Fahrt mit der U-Bahn. Die Präzision im Alltag. Der Moment, in dem wir unser Goshuinchō mit dem ersten frisch geschriebenen Stempel in den Händen hielten. Und diese Skyline bei Nacht, die leuchtet, als hätte jemand eine eigene Galaxie über der Stadt entzündet.
Tokio ist keine Stadt, die man abhakt. Man taucht ein, lässt sich treiben zwischen Tradition und Zukunft – und merkt irgendwann, dass genau darin ihre besondere Magie liegt.
Hinweis:
Dieser Reisebericht basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen. Einige Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du darüber buchst, erhalten wir eine kleine Provision – für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. ❤️
🧭 Auf dieser Seite
🗼 Tokio auf einen Blick
- 📍 Lage: Japan, Region Kantō – Megastadt auf der Insel Honshū (Japan)
- 🗓 Ideale Reisedauer: 4–6 Tage
- 🌸 Beste Reisezeit: Frühling (März–Mai, Kirschblüte) & Herbst (Oktober–November, mild & klar)
- 🧭 Reiseform: Eigenständige Städtereise oder perfekter Start- oder Endpunkt einer Japan-Rundreise
- 🤖 Für wen geeignet: Familien, die moderne Großstädte, Kultur, Kontraste und gut organisierten Alltag schätzen
- 👟 Gesamte Schritte: ca. 100.000
- 🚄 Fortbewegung: U-Bahn & Bahn (extrem zuverlässig). IC-Karte (z. B. Suica) sehr empfehlenswert
- 🎯 Fokus: Megacity mit Tradition, moderner Kultur, Stadtvierteln mit völlig unterschiedlichem Charakter & einzigartigem Alltag
- 🛏️ Beste Gegend zum Übernachten: Asakusa / Ueno / Shinjuku – gute ÖPNV-Anbindung, viele Restaurants, familienfreundlich
- 💶 Kosten-Level: €€–€€€ (Essen erstaunlich günstig, Unterkünfte je nach Lage teurer)
- 📸 Fotospots: Shibuya Crossing, Sensō-ji (Asakusa), Meiji-Schrein, Skyline bei Nacht, Akihabara
- 🎢 Highlights für Kinder: U-Bahn fahren, Shibuya Crossing, Tempel & Schreine, Anime- & Technikviertel, Essensautomaten
- 🔒 Sicherheit (Kurz-Eindruck): Sehr sicher, auch abends – extrem geordnet, hohe Rücksichtnahme im Alltag
- 👨👩👧👦 Geeignet für Familien: ⭐⭐⭐⭐⭐
🗼 Unsere Highlights in Tokio – unsere Must-Sees & Erlebnisse
🏯 Traditionelles Tokio & spirituelle Orte:
Sensō-ji Tempel (Asakusa) • Kaminarimon-Tor • Meiji-Jingū Schrein • ruhige Tempel- & Schreinanlagen mitten in der Stadt
🌆 Moderne Metropole & Stadtleben:
Shibuya Crossing • Shibuya Sky (Aussicht) • Shinjuku bei Nacht • Neonlichter & Großstadt-Vibes
🎎 Stadtviertel mit Charakter:
Asakusa (traditionell) • Harajuku (kreativ & schrill) • Akihabara (Anime & Technik) • Ueno (Parks & Museen)
🌃 Aussicht & besondere Perspektiven:
Shibuya Sky • Tokio Tower • Blick auf die Stadt bei Nacht • Kontraste zwischen Hochhäusern & Schreinen
🛤️ Alltag & Organisation erleben:
U-Bahn & Bahnfahren • Bahnhöfe als Erlebnis • Convenience Stores • Getränkeautomaten an jeder Ecke
🎮 Popkultur & moderne Highlights:
Akihabara (Gaming & Anime) • Gachapon-Automaten • Manga- & Technikläden
🍜 Essen & Tokio-Alltag:
Ramen-Bars • Bento & Donburi • Streetfood • unkompliziertes Essen im Alltag – auch mit Kindern
🖼 Kultur & Geschichte:
Tokio Nationalmuseum (Ueno) • Einblicke in Japans Geschichte & Tradition • kulturelle Kontraste im Stadtbild
🍽️ Essen & Cafés – unsere persönlichen Tipps
Tokio ist kulinarisch deutlich unkomplizierter, als wir vor der Reise erwartet hatten – gerade mit Kindern. Essen ist überall verfügbar, schnell, bezahlbar und überraschend hochwertig. Entscheidend ist weniger wo man isst, sondern wie: flexibel bleiben, Stoßzeiten meiden und den japanischen Alltag annehmen.
Unsere konkreten Stops aus der Reise:
- Ramen-Bars in den Stadtvierteln – ideal für Familien: kurze Wartezeiten, einfache Gerichte, sättigend und günstig
- Convenience Stores (7-Eleven, Lawson, FamilyMart) – viel besser als ihr Ruf: frische Bentos, Snacks, Getränke, perfekt für zwischendurch
- Food Courts & kleinere Lokale in Bahnhöfen – riesige Auswahl, unkompliziert, sehr effizient organisiert
- Sushi-Restaurants (auch Ketten) – oft deutlich entspannter als erwartet, visuell spannend für Kinder, gute Qualität, unser Tipp Tamagawa Sushi Kaminarimon
- Cafés & Getränkeautomaten – kleine Pausen gehören in Tokio einfach dazu und machen lange Tage deutlich entspannter, unser Tipp Marion Crêpes
Unser Fazit zum Essen in Tokio:
Tokio überzeugt nicht durch einzelne „Instagram-Hotspots“, sondern durch einen unglaublich funktionierenden Essensalltag. Gute Qualität, klare Abläufe und ständige Verfügbarkeit machen die Stadt extrem familientauglich. Wer sich darauf einlässt und nicht jeden Stopp durchplant, isst in Tokio entspannter als in vielen europäischen Städten.
💡 Praktische Tipps für eure Tokio-Reise
✈️ Anreise & Ankommen:
Tokio erreicht man in der Regel per Langstreckenflug. Die Stadt hat zwei große Flughäfen (Haneda & Narita) – beide sind hervorragend angebunden. Gerade nach einem langen Flug lohnt es sich, die Ankunft bewusst zu planen und den ersten Tag ruhig anzugehen.
🚆 Transfer Flughafen ↔ Hotel:
Die Anbindung per Bahn ist extrem zuverlässig (z. B. Keikyu Line, Narita Express, Limousine Bus). Mit Gepäck funktioniert das erstaunlich gut – wer es maximal entspannt möchte, kann für die erste Strecke auch ein Taxi einplanen.
📶 Internet & Navigation:
Stabiles Internet ist in Tokio unverzichtbar: Navigation, Bahnverbindungen, Übersetzungen und spontane Entscheidungen laufen fast ausschließlich digital.
➡️ eSIM sehr empfehlenswert – unkompliziert und zuverlässig.
🚇 ÖPNV clever nutzen:
Einzeltickets funktionieren, sind aber umständlich.
➡️ IC-Karte (z. B. Suica) spart Zeit, Nerven und funktioniert in Bahn, U-Bahn, Bus & sogar in vielen Shops.
👟 Schritte realistisch einplanen:
12.000–18.000 Schritte pro Tag sind normal – große Bahnhöfe und Stadtviertel summieren sich schnell.
➡️ Bequeme Schuhe sind Pflicht, auch wenn man viel mit der Bahn fährt.
🏯 Sehenswürdigkeiten strategisch bündeln:
Asakusa & Sensō-ji lassen sich gut kombinieren.
Meiji-Schrein passt perfekt zu Harajuku & Shibuya.
➡️ Weniger Wege, mehr Ruhe im Tagesablauf.
🎟️ Aussicht & Highlights vorab planen:
Beliebte Spots wie Shibuya Sky oder Tokio Tower haben feste Zeitfenster.
➡️ Vorab reservieren spart Wartezeit – gerade am Nachmittag & Abend.
🌃 Stoßzeiten vermeiden:
Bahnfahren morgens & abends zur Rush Hour kann anstrengend sein.
➡️ Mit Kindern am besten zwischen 10–16 Uhr bewegen.
🌿 Pausen einbauen:
Parks, Schreine und Cafés sorgen für Entschleunigung.
➡️ Gerade die ruhigen Orte machen Tokio erst richtig erlebbar.
🏨 Zentrale & gut angebundene Unterkunft wählen:
Asakusa, Ueno oder Shinjuku sind ideal.
➡️ Gute Anbindung spart Zeit, reduziert Wege und macht Abende entspannter.
📖 Tokio mit Kindern – der komplette Reisebericht
Tag 1 in Tokio – Ankommen zwischen Müdigkeit und Magie
Unser erster Tag in Japan begann früh. Sehr früh.
Direktflug ab München – Landung gegen 9 Uhr morgens in Tokio. Der Flug war ruhig, alles funktionierte reibungslos. Und doch merkt man nach einer Langstrecke sofort: Der Körper ist angekommen, der Kopf noch irgendwo über Sibirien.
Draußen: eine fremde Sprache, andere Schriftzeichen, eine neue Welt.
Drinnen: Jetlag, Neugier und dieses leise Kribbeln, dass jetzt etwas beginnt, worauf man lange hingefiebert hat.
Was man bei einer frühen Ankunft nicht unterschätzen sollte:
In Japan ist der Check-in im Hotel meist erst am Nachmittag möglich.
Wir konnten unser Gepäck unkompliziert im Hotel abgeben – kein Problem. Aber müde ist man trotzdem. Und genau deshalb würden wir rückblickend empfehlen: Wenn möglich, eher am frühen Nachmittag ankommen. So kann man direkt ins Zimmer, kurz durchatmen – und startet entspannter in diese riesige Stadt.
Aber vielleicht war genau dieses „noch nicht ganz angekommen sein“ auch der perfekte Übergang.
Denn Tokio wirkt am ersten Tag fast wie ein Traum – ein wenig surreal, ein wenig überwältigend.
Und genau das macht diesen ersten Moment so besonders.
🏨 Unsere Unterkunft: Asakusa View Hotel Annex Rokku
Für die ersten Tage wohnten wir im Asakusa View Hotel Annex Rokku – modern, sehr gepflegt, angenehm ruhig und vor allem hervorragend gelegen. In einer Stadt wie Tokio ist eine gute Anbindung nicht nur praktisch, sondern entscheidend. U-Bahn-Stationen in der Nähe, Restaurants um die Ecke, die Tempelanlage fußläufig erreichbar – genau das macht den Unterschied, wenn man mit Kindern unterwegs ist.
Vom Hotel aus erreicht man den Sensō-ji-Tempel in wenigen Minuten zu Fuß. Kein Gedränge in der Metro, kein kompliziertes Umsteigen, sondern einfach loslaufen und eintauchen – ein sanfter Einstieg in diese riesige Stadt.
Die Zimmer waren bei unserer Ankunft noch nicht fertig. Also taten wir das, was in Tokio eigentlich immer funktioniert: nicht warten, sondern losgehen. Und doch gab es diesen ersten, stillen Moment am Fenster – den Blick auf den Tokyo Skytree in der Ferne, silbern und fast surreal zwischen den Häusern aufragend.
Willkommen in Tokio.
🏯 Asakusa & Sensō-ji – der perfekte erste Eindruck
Unser erster Weg führte uns in den berühmten Tempelbezirk rund um den Sensō-ji, Tokios ältesten und bedeutendsten buddhistischen Tempel – und rückblickend war das genau die richtige Entscheidung.
Asakusa empfängt einen nicht mit Glasfassaden und Wolkenkratzern, sondern mit roten Toren, Weihrauchduft und dem leisen Klang von Tempelglocken. Statt hektischer Großstadt fühlt es sich hier fast an wie ein behutsamer Einstieg in Japan, als würde die Stadt bewusst einen sanften Anfang wählen.
Vor dem großen Hōzōmon-Tor steigen Rauchschwaden aus dem Räucherbecken auf, Menschen fächern sich den Rauch mit den Händen zu – für Glück, Gesundheit oder einfach ein wenig Schutz. Touristen und Einheimische stehen nebeneinander, niemand drängelt, niemand hetzt. Trotz der vielen Besucher wirkt alles erstaunlich geordnet und ruhig.
Asakusa ist lebendig, aber nicht überwältigend. Man taucht hier nicht in eine gigantische Metropole ein, sondern in eine Welt aus Ritualen, Geschichte und ganz normalem Alltagsleben – Tradition vor Skyline, Tempel vor Neonlicht. Für uns war es der perfekte erste Kontakt mit Tokio und genau der richtige Auftakt für diese Reise.
📖 Unser Goshuinchō – eine Tradition beginnt
Hier begann auch eine kleine Reise-Tradition, die uns durch ganz Japan begleiten sollte: Wir kauften uns ein Goshuinchō, ein japanisches Stempelbuch, das in Tempeln und Schreinen mit kunstvollen Siegeln und handgeschriebener Kalligrafie gefüllt wird.
Der Ablauf ist schlicht und fast unspektakulär. Man reicht das Buch über einen kleinen Tresen, wartet einen Moment – und bekommt es zurück, verziert mit schwarzer Tinte, roten Siegeln und der charakteristischen Handschrift des jeweiligen Tempels. Jeder Eintrag ist einzigartig, kein Stempel gleicht dem anderen.
Unser erster stammt vom Sensō-ji. Als wir das frisch beschriebene Buch in den Händen hielten, war sofort klar, dass es mehr sein würde als nur ein Souvenir. Dieses Buch würde von nun an mitreisen – von Schrein zu Schrein, von Stadt zu Stadt – und mit jedem neuen Eintrag wachsen.
Mit jedem Stempel wächst auch die Erinnerung.
Ein stilles Reisetagebuch aus Papier und Tinte.
🔮 Omikuji – kleine Zettel, große Symbolik
Direkt neben dem Tempel probierten wir etwas aus, das sofort alle neugierig machte: Omikuji, kleine Glücksbotschaften, die man in vielen japanischen Tempeln ziehen kann.
Das Ritual ist einfach und gerade deshalb so faszinierend. Man schüttelt einen Metallzylinder, bis ein nummeriertes Holzstäbchen herausfällt. Die gezogene Zahl führt zu einer Schublade mit einem gefalteten Papierstreifen – und darauf steht die persönliche Weissagung: großes Glück, mittleres Glück, ein neutrales Los oder eben Pech.
Die Spannung beim Öffnen des kleinen Zettels war fast greifbar. Wer ein gutes Los zieht, darf es behalten; wer weniger Glück hat, bindet den Zettel an ein Gestell beim Tempel und lässt das Unglück symbolisch dort zurück. Zwischen den flatternden Papierstreifen entsteht so ein leises Bild aus Hoffnungen, Sorgen und kleinen Wünschen.
Es ist ein einfacher Akt, aber voller Bedeutung – und gerade für Kinder ein wunderbarer Zugang zur japanischen Spiritualität: nicht belehrend, nicht kompliziert, sondern spielerisch, neugierig und leicht.
🏮 Nakamise Street – zwischen Geschichte und Gegenwart
Vom Tempel aus liefen wir durch das imposante Hōzōmon-Tor weiter auf die berühmte Nakamise Street zu.
Diese Straße existiert in ihrer Grundform seit Jahrhunderten. Schon in der Edo-Zeit verkauften Händler hier kleine Snacks und Andenken an Pilger, die den Sensō-ji besuchten. Was einst einfache Marktstände waren, ist heute eine bunte Mischung aus Tradition und Tourismus – und gerade diese Verbindung macht ihren besonderen Reiz aus.
Links und rechts reihen sich kleine Läden aneinander, aus denen der Duft frisch gebackener Reiskuchen strömt. Süßigkeiten werden kunstvoll verpackt, Fächer und Glücksbringer hängen dicht nebeneinander, und überall werden kleine Snacks direkt vor den Augen der Besucher zubereitet. Es ist ohne Zweifel touristisch – aber zugleich lebendig, laut, farbenfroh und erstaunlich authentisch.
Für unseren ersten Tag, noch leicht im Jetlag-Modus, war genau dieses Tempo ideal. Wir blieben stehen, probierten, schauten, ließen uns treiben, ohne festen Plan und ohne Zeitdruck. Zwischen roten Laternen und traditionellen Schriftzeichen fühlte sich Tokio plötzlich nicht mehr fremd an, sondern überraschend zugänglich.
🍣 Sushi am Kaminarimon – der erste echte Geschmack Japans
Am Ende der Straße, nahe dem berühmten Kaminarimon-Tor, meldete sich der Hunger – und zwar nicht dezent. Nach Tempel, Rauch und ersten Eindrücken zog es uns in ein kleines Sushi-Restaurant direkt um die Ecke: Tamagawa Sushi Kaminarimon, ein eher unscheinbares Lokal mit Thekenplätzen unmittelbar vor dem Sushi-Meister.
Keine große Inszenierung, kein touristisches Spektakel – sondern konzentrierte Handarbeit. Während wir Platz nahmen, beobachteten wir die ruhigen, präzisen Bewegungen: Reis portionieren, Fisch schneiden, formen, drehen, anrichten. Jeder Handgriff wirkte selbstverständlich, beinahe meditativ, und genau diese Ruhe übertrug sich auf den Raum.
Der erste Bissen bestätigte, was wir bereits ahnten: Der Maguro, der Thunfisch, war weich, intensiv und fast cremig – ein Geschmack, der klarer und purer war als alles, was wir bisher kannten. In diesem Moment wurde uns bewusst, dass wir kulinarisch wirklich in Japan angekommen waren.
Überraschend war zudem der Preis. Für die Qualität und die Menge war das Essen deutlich moderater, als wir es aus Deutschland gewohnt sind – gerade im Verhältnis zur Frische und Handwerkskunst.
Es war kein spektakuläres Restaurant mit Aussicht oder Design-Anspruch, sondern ein schlichtes Lokal mit exzellentem Sushi. Und vielleicht war genau das der perfekte kulinarische Auftakt für unsere Zeit in Tokio.
Nach dem Essen kehrten wir ins Hotel zurück – und hatten Glück: Unsere Zimmer waren inzwischen fertig. Nach den ersten Stunden zwischen Tempel, Markt und Sushi fühlte sich dieser Moment fast wie eine kleine Belohnung an.
Wir machten noch einen kurzen Abstecher in den Supermarkt gegenüber, kauften Obst und ein paar Snacks für den Abend und ließen den Rest des Tages ganz bewusst ruhig ausklingen. Keine weiteren Programmpunkte, kein „Das schaffen wir auch noch“. Nur Duschen, Koffer auspacken, aus dem Fenster auf den Skytree schauen – und langsam wirklich ankommen.
Rückblickend ist das vielleicht der wichtigste Reisetipp nach einem Langstreckenflug: Am ersten Tag nicht zu viel planen, nicht alles sehen wollen und sich nicht vom eigenen Ehrgeiz treiben lassen. Tokio läuft nicht weg.
Erst einmal ankommen.
🏁 Fazit des ersten Tages
Es war kein großes Sightseeing-Programm, keine langen Wege und keine überambitionierten Pläne – und genau deshalb war es der perfekte Start.
Statt Jetlag-Stress gab es Tempelglocken, statt Flughafen-Snacks frisches Sushi. Mit dem ersten Stempel im Goshuinchō begann eine kleine Tradition, die uns durch ganz Japan begleiten sollte.
Tokio hätte uns an diesem ersten Tag leicht überfordern können. Stattdessen fühlte es sich an, als würde die Stadt uns behutsam aufnehmen – strukturiert, ruhig und mit einer Selbstverständlichkeit, die sofort Vertrauen schenkte.
Ein Tag ohne Hektik, aber voller Bedeutung.
Und vielleicht genau der richtige Einstieg in eine Stadt, die man nicht erobert, sondern erlebt.
Tag 2 in Tokio – Shibuya, Schreine & süße Pausen
Der zweite Tag begann… fast zu spät.
Jetlag ist unberechenbar. Während ein Teil der Familie es gerade noch rechtzeitig zum Frühstück schaffte, mussten die Mädels passen – Tokio lief bereits, während wir innerlich noch irgendwo zwischen Zeitzonen hingen. Und genau das gehört dazu. So durchgetaktet man eine Reise auch plant, der Körper hat sein eigenes Timing.
Nach einem überraschend guten Frühstück im Hotel – mit der Mischung aus japanischen und westlichen Optionen, die Tokio so unkompliziert macht – stand heute ein echter Kontrast-Tag auf dem Programm: vom urbanen Hochglanzviertel Shibuya mit Neon, Glasfassaden und Menschenströmen bis zur spirituellen Ruhe im Wald des Meiji-Schreins.
Tokio ist keine Stadt der Zwischentöne. Es liebt Extreme – und genau das wollten wir an diesem Tag erleben.
Vom traditionellen Asakusa ging es nun mitten hinein in die moderne Metropole. Ein Perspektivwechsel, der zeigt, warum Tokio so fasziniert: Jeder Stadtteil wirkt wie eine eigene Welt – mit eigener Atmosphäre, eigenem Rhythmus, eigener Energie.
Und genau das macht einen zweiten Tag hier so spannend.
🚇 Mit der Ginza Line nach Shibuya – erste Großstadt-Eindrücke
Von der Tawaramachi Station nahmen wir die Ginza Line bis zur Endstation Shibuya – und allein diese Fahrt war schon Teil des Erlebnisses. Tokios U-Bahn wirkt auf den ersten Blick komplex, fast einschüchternd, doch sie funktioniert mit einer Präzision, die beeindruckt. Klare Beschilderung, strukturierte Abläufe, Menschenmassen, die sich wie selbstverständlich sortieren – selbst zur Rushhour bleibt alles erstaunlich geordnet.
Shibuya gilt als eines der pulsierendsten Viertel der Stadt. Hier schlägt das moderne Herz Tokios: riesige Bildschirme, Hochhäuser, Mode, Musik, Tempo. Wenn man Tokio als Kontraststadt begreifen will, dann beginnt es genau hier.
Unser erstes Ziel sollte eigentlich die Aussichtsplattform Shibuya Sky sein – eine der spektakulärsten Dachterrassen der Stadt mit freiem Blick über die Skyline.
Und hier kam direkt das wichtigste Learning des Tages:
Tickets unbedingt im Voraus buchen – idealerweise ein bis zwei Wochen vorher.
Die Plattform arbeitet mit festen Zeitfenstern, und besonders nachmittags oder zum Sonnenuntergang sind die Slots oft lange im Voraus ausverkauft. Spontan vor Ort bekommt man in der Regel nichts mehr. Für uns hieß das: kein Blick von oben – sondern Plan B.
Und vielleicht war genau das gut so. Denn Tokio lässt sich nicht erzwingen. Manchmal ist es besser, den eigenen Plan loszulassen – und sich einfach von der Stadt treiben zu lassen.
🐕 Hachikō & Shibuya Crossing – Mythos und Momentaufnahme
Bevor wir uns in das berühmte Gewusel stürzten, machten wir Halt an der Statue von Hachikō.
Die Geschichte dieses Hundes ist in Japan mehr als nur eine nette Anekdote – sie ist ein Symbol für Loyalität. In den 1920er-Jahren wartete Hachikō jeden Tag am Bahnhof Shibuya auf sein Herrchen, einen Professor der Universität Tokio. Als dieser unerwartet verstarb, kehrte der Hund dennoch fast zehn Jahre lang täglich an denselben Ort zurück. Heute steht die Bronzestatue genau dort, wo er gewartet haben soll – und ist einer der bekanntesten Treffpunkte der Stadt.
Rund um die Statue herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Menschen verabreden sich hier, machen Fotos, lachen, eilen weiter. Zwischen all dem Großstadttrubel steht dieser kleine Hund – ruhig, geduldig, fast unscheinbar. Und genau darin liegt seine Wirkung.
Nur wenige Schritte weiter standen wir dann mittendrin: Shibuya Crossing, oft als die „berühmteste Kreuzung der Welt“ bezeichnet. Bilder davon kennt man aus Filmen, Werbespots und Social Media – ein Meer aus Menschen, das sich scheinbar chaotisch in alle Richtungen bewegt.
Tagsüber wirkte die Szene überraschend geordnet. Vielleicht hatten wir dramatische Abendaufnahmen im Kopf, vielleicht erwarteten wir mehr Lärm, mehr Gedränge. Stattdessen erlebten wir etwas anderes: mehrere Tausend Menschen, die gleichzeitig losgehen – und doch niemand, der rempelt oder schiebt.
Das vermeintliche Chaos ist in Wahrheit hochpräzise getaktet. Sobald die Ampeln auf Grün springen, überqueren Fußgänger die Straße diagonal, quer, geradeaus – ein paar Sekunden später ist die Kreuzung wieder frei, als wäre nichts gewesen. Diese Mischung aus Masse und Disziplin ist typisch Tokio: viel Energie, aber kaum Unruhe.
Wir beobachteten das Schauspiel vom Starbucks mit Blick auf die Kreuzung – ein klassischer Fotospot. Die Perspektive ist gut, die Stimmung lebendig. Wer es etwas ruhiger und höher möchte, sollte allerdings wissen: Über dem Starbucks befindet sich eine Bar mit noch besserem Blick auf das Geschehen.
Beim nächsten Mal würden wir genau dort stehen – mit etwas Abstand, aber mitten im Moment.
🌳 Yoyogi Park – Übergang in eine andere Welt
Von Shibuya aus liefen wir Richtung Yoyogi Park – und mit jedem Schritt wurde es leiser.
Was Tokio so faszinierend macht, ist dieser abrupte Wechsel der Atmosphäre. Eben noch Neonlichter, riesige Screens, Menschenströme und Verkehr – und nur wenige Minuten später breite Wege, hohe Bäume und das Rascheln von Blättern im Wind. Es ist, als würde jemand einen Schalter umlegen.
Der Yoyogi Park gehört zu den größten und beliebtesten Grünanlagen der Stadt. Auf dem Gelände befand sich einst das Olympische Dorf der Spiele von 1964 – heute ist es eine Art urbanes Wohnzimmer. Besonders an Wochenenden trifft sich hier halb Tokio: Musiker mit Gitarren, Tänzer in Trainingsgruppen, Familien mit Picknickdecken, Jogger, Straßenkünstler, Jugendliche in aufwendigen Outfits.
Es ist kein klassischer „schöner Park“ im Sinne gepflegter Blumenbeete oder perfekter Gartenarchitektur. Er wirkt natürlicher, weiter, fast ein wenig rau – und genau das macht seinen Charme aus.
Für uns war er vor allem eines: ein Übergangsraum. Ein sanfter Weg von der pulsierenden Energie Shibuyas hin zur spirituellen Ruhe, die nur wenige Schritte weiter auf uns wartete.
Und genau dieser fließende Wechsel ist typisch Tokio.
⛩ Meiji-Jingū – Stille im Herzen der Metropole
Unser Ziel war der Meiji-Jingū, einer der bedeutendsten Shintō-Schreine Japans. Er ist Kaiser Meiji und seiner Frau Kaiserin Shōken gewidmet – jener Epoche, in der Japan im 19. Jahrhundert den radikalen Schritt von der Isolation in die Moderne wagte. Eisenbahnen, Industrialisierung, Öffnung gegenüber dem Westen – und dennoch der bewusste Erhalt eigener Traditionen.
Vielleicht ist genau deshalb dieser Ort so symbolträchtig für Tokio: Moderne und Spiritualität existieren hier nicht im Widerspruch, sondern nebeneinander.
Schon der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses. Breite Kieswege führen durch einen dichten, künstlich angelegten Wald mit über 100.000 Bäumen, die aus ganz Japan gespendet wurden. Schritt für Schritt entfernt man sich vom Stadtlärm. Die Geräusche werden weicher, das Tempo langsamer.
Man vergisst vollkommen, dass man sich nur wenige Minuten von Shibuya entfernt in einer der größten Metropolen der Welt befindet.
Punkt 12 Uhr erlebten wir dann einen dieser ungeplanten Reisemomente, die sich einprägen: Ein lauter, fast donnernder Schlag hallte durch die Bäume. Am Eingang des Schreins schlug ein Mann auf eine riesige Taiko-Trommel. Der tiefe Klang vibrierte förmlich in der Luft – kraftvoll, würdevoll, konzentriert.
Solche Momente lassen sich nicht buchen und nicht planen. Sie passieren einfach.
Die Anlage selbst wirkt weitläufig und zugleich zurückhaltend. Keine grellen Farben, kein überladener Prunk – sondern Holz, klare Linien, weite Höfe. Besucher verbeugen sich leicht, werfen Münzen in die Opferbox, klatschen zweimal in die Hände – ein stilles Ritual, das respektvoll und selbstverständlich wirkt.
Natürlich durfte auch unser Goshuinchō nicht fehlen. Unser zweiter Stempel der Reise fand hier seinen Platz. Mit jedem Eintrag wuchs nicht nur das Buch, sondern auch das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein – von Ort zu Ort, von Geschichte zu Geschichte.
🍓 Takeshita Street – Jugendkultur pur
Zurück durch den Yoyogi Park wechselten wir erneut die Welt – diesmal Richtung Harajuku, genauer gesagt in die berühmte Takeshita Street.
Und wieder dieser abrupte Kontrast.
Die Straße ist schmal, fast schon eng, und wirkt wie ein verdichtetes Kaleidoskop aus Farben, Musik und Bewegung. Schrille Mode, Plattformschuhe, Anime-Accessoires, Second-Hand-Boutiquen, Fotoboxen, Katzen- und Hundecafés – alles dicht nebeneinander, alles laut, kreativ und bewusst anders.
Harajuku gilt seit Jahrzehnten als Zentrum japanischer Jugendkultur. Hier entstehen Trends, hier wird Mode nicht nur getragen, sondern inszeniert. Viele der extravaganten Streetstyles, die später um die Welt gehen, beginnen genau hier.
Für Kinder und Teenager ist das ein echtes Erlebnis. Es fühlt sich weniger nach Sightseeing an und mehr nach Eintauchen in eine Subkultur, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt.
Zwischen all den Eindrücken legten wir eine süße Pause bei Marion Crêpes ein – einer Institution in Harajuku, die es hier bereits seit den 1970er-Jahren gibt. Frische Crêpes, kunstvoll gefüllt mit Erdbeeren, Sahne oder Schokolade, werden direkt auf der Straße zubereitet.
Vielleicht kein kulinarisches Highlight im klassischen Sinne – aber eine kleine, authentische Harajuku-Erfahrung. Süß, bunt und genau passend zu diesem Viertel.
Nach mehreren Kilometern zu Fuß war es außerdem die perfekte Ausrede, kurz stehen zu bleiben, zu lachen und einfach das bunte Treiben zu beobachten.
🏙 Omotesandō – Tokio von seiner eleganten Seite
Von Harajuku aus wechselten wir erneut die Atmosphäre und liefen weiter zur Omotesandō Avenue – und plötzlich wurde es weiter, ruhiger, fast mondän.
Breite Boulevards, klare Linien, beeindruckende Glasfassaden. Internationale Luxusmarken reihen sich hier aneinander, doch was Omotesandō wirklich besonders macht, ist die Architektur. Viele Gebäude wurden von weltweit renommierten Architekten entworfen – darunter Herzog & de Meuron oder Tadao Andō. Selbst wer kein Interesse an Mode hat, wird hier automatisch zum Architektur-Beobachter.
Es fühlt sich ein wenig an wie eine japanische Mischung aus Champs-Élysées und Fifth Avenue – nur strukturierter, zurückhaltender, fast minimalistischer.
Und wieder dieses Gefühl: ein völlig anderes Tokio.
Innerhalb weniger Stunden waren wir durch spirituelle Wälder, schrille Jugendkultur und nun durch elegante Design-Architektur gelaufen. Genau das fasziniert uns an dieser Stadt – jeder Stadtteil wirkt wie eine eigene kleine Welt mit eigenem Charakter.
🍔 Burger-Abschluss in Asakusa
Mit der Ginza Line fuhren wir zurück nach Tawaramachi und liefen die letzten Meter zu Fuß ins Hotel. Die Beine wurden langsam schwer, die Eindrücke des Tages zahlreich.
Zum Abschluss entschieden wir uns bewusst für etwas Unkompliziertes: Shogun Burger in Asakusa.
Japan interpretiert selbst westliche Klassiker auf eigene Weise – oft mit Wagyu-Rind und erstaunlich hoher Qualität. Die Burger waren saftig, frisch zubereitet und geschmacklich wirklich überzeugend. Keine übertriebene Show, sondern solide, moderne Küche in entspannter Atmosphäre.
Vielleicht kein „typisch japanisches“ Highlight – aber nach einem langen Tag zwischen Großstadt, Park und Tempelanlage genau das Richtige. Manchmal braucht es keinen Tempel mehr, sondern einfach einen guten Burger und das Gefühl, angekommen zu sein.
🏁 Fazit des zweiten Tages
Shibuya hat uns nicht überwältigt, wie wir es vielleicht erwartet hatten – sondern beeindruckt. Nicht durch Chaos, sondern durch Struktur. Nicht durch Lautstärke, sondern durch Energie mit System.
Der Meiji-Schrein war das Gegenteil davon – ein Ort der Stille, eingebettet in Wald, nur wenige Schritte vom urbanen Puls entfernt. Harajuku zeigte uns die verspielte, kreative Seite Tokios, während Omotesandō mit klarer Architektur und Eleganz eine fast europäische Gelassenheit ausstrahlte.
An einem einzigen Tag sind wir durch mehrere Welten gegangen – und genau darin liegt die Faszination dieser Stadt.
Tokio hat keine klare, einheitliche Identität.
Tokio ist viele Städte in einer.
Und langsam begreifen wir: Man muss sich hier nicht entscheiden zwischen Tradition und Moderne. Zwischen Tempel und Neonlicht. Zwischen Stille und Geschwindigkeit.
In Tokio bekommt man beides – manchmal sogar innerhalb weniger Minuten.
Tag 3 in Tokio – Ueno, Schreine & wichtige Lektionen
Heute zeigte sich Tokio von einer ruhigeren, kulturelleren Seite.
Mit der Ginza Line fuhren wir von Tawaramachi Richtung Ueno – ein Stadtteil, der im Schatten von Shibuya oder Shinjuku oft übersehen wird, dabei aber zu den geschichtsträchtigsten und kulturell spannendsten Gegenden der Stadt gehört.
Ueno war einst Teil der alten Tempelstadt rund um Kan’ei-ji und entwickelte sich später zu einem Zentrum für Bildung, Museen und Kunst. Heute vereint der Stadtteil weite Parkflächen, bedeutende Museen, einen Zoo und mehrere Schreine – ein Kontrastprogramm zum urbanen Hochglanz der Vortage.
Schon beim Aussteigen spürt man eine andere Energie. Weniger Neon, weniger Tempo, dafür mehr Weite. Ueno fühlt sich offener an – fast europäischer, aber dennoch eindeutig japanisch.
Und vielleicht ist genau das das Spannende an Tokio: Selbst innerhalb derselben Stadt erlebt man immer wieder neue Perspektiven.
🌸 Ueno Park – ein paar Tage zu spät für die Kirschblüte
Der Ueno Park ist einer der berühmtesten Orte zur Kirschblüte in ganz Tokio. Während der Sakura-Zeit verwandeln Tausende Kirschbäume die breiten Wege in ein rosa Blütenmeer, und unter den Ästen sitzen Familien, Freunde und Kollegen auf Picknickdecken – Hanami nennt man dieses gemeinsame Blüten-Schauen, das in Japan fast schon ein eigenes Ritual ist.
Wir waren ein paar Tage zu spät. Viele Blüten lagen bereits auf dem Boden, der Wind hatte sie verteilt wie zarte Konfetti-Spuren auf den Wegen. Und trotzdem konnte man noch erahnen, warum dieser Ort jedes Frühjahr zum Symbol für Vergänglichkeit und Neubeginn wird.
Selbst ohne volle Blüte hatte der Park eine besondere Atmosphäre: viel Raum, weite Wiesenflächen, alte Bäume und eine angenehme Offenheit, die man in Tokio nicht überall findet.
Historisch ist Ueno übrigens kein „gewöhnlicher“ Stadtpark. Er wurde bereits 1873, kurz nach der Öffnung Japans und Beginn der Meiji-Zeit, als einer der ersten öffentlichen Parks des Landes angelegt – ein sichtbares Zeichen für den gesellschaftlichen Wandel jener Epoche. Heute vereint er Museen, den ältesten Zoo Japans, Tempelanlagen und Schreine auf engem Raum.
Für uns war er ein ruhiger Start in den Tag. Kein Spektakel, kein großes Highlight – sondern ein Ort zum Durchatmen, Beobachten und Ankommen. Manchmal reicht genau das.
🏛 Tokio Nationalmuseum – zwischen Erwartung und Wirklichkeit
Mitten im Ueno Park liegt das Tokio Nationalmuseum, das größte und älteste Museum Japans. Schon das Hauptgebäude wirkt beeindruckend – fast klassisch-europäisch in seiner Symmetrie, mit einer Mischung aus westlicher Architektur und japanischen Elementen. Ein stiller, würdevoller Bau, der sofort signalisiert: Hier geht es um Geschichte.
Im Inneren taucht man tief in die kulturelle Entwicklung Japans ein – von frühesten Keramiken über buddhistische Skulpturen bis hin zur Ära der Samurai.
Ich hatte mich besonders auf die Samurai-Rüstungen gefreut. Und ja, sie waren da: kunstvoll gearbeitete Helme mit furchteinflößenden Masken, fein gebundene Panzerungen, filigrane Details. Beeindruckend – keine Frage. Und doch weniger spektakulär, als ich es mir in meiner Vorstellung ausgemalt hatte.
Statt epischer Schlachtszenen oder dramatischer Inszenierung dominieren im Museum eher die leisen Töne der Geschichte:
Schriftrollen
historische Dokumente
buddhistische Kunst
feine Zeichnungen und Keramiken
Das Museum erzählt Japans Vergangenheit nicht laut, sondern mit Präzision und Tiefe.
Für kulturhistorisch Interessierte ist es definitiv ein spannender Ort – besonders, wenn man Hintergründe zur Meiji-Zeit oder zur Entwicklung buddhistischer Kunst sucht. Für Kinder hängt es stark vom individuellen Interesse ab. Wer sich für Samurai begeistert, wird bestimmte Bereiche spannend finden, andere eher weniger.
Der Eintritt liegt bei rund 1.000 Yen und ist damit sehr fair – Kinder unter 18 Jahren haben sogar freien Eintritt.
Für uns war es eine interessante, aber eher ruhige Station des Tages. Kein „Wow“-Moment, sondern ein Ort, der Wissen vermittelt – und vielleicht genau deshalb ein wichtiger Baustein, um Japan besser zu verstehen.
🍵 Der Museumsgarten – leiser Höhepunkt des Besuchs
Fast noch beeindruckender als die Ausstellung selbst war für uns der Garten hinter dem Museum.
Sobald man das Gebäude verlässt, verändert sich die Stimmung. Gepflegte Wege führen vorbei an kleinen Teichen, Steinlaternen und sorgfältig geschnittenen Bäumen. Mehrere traditionelle Teehäuser verteilen sich auf dem Gelände – zurückhaltend, harmonisch in die Landschaft eingebettet.
Besonders eines der kleinen Holzhäuser mit Tatami-Matten blieb uns im Gedächtnis. Diese schlichte Architektur, die bewusst auf Prunk verzichtet, ist typisch japanisch: klare Linien, natürliche Materialien, viel Raum für Stille. Nichts ist überflüssig – und genau darin liegt die Schönheit.
Solche Gärten sind oft bewusst als Rückzugsorte gestaltet. In der japanischen Ästhetik geht es nicht um spektakuläre Effekte, sondern um Balance, Proportion und das Spiel von Licht und Schatten. Selbst die Perspektiven sind so angelegt, dass sich der Blick immer wieder neu öffnet.
Für uns war dieser Garten ein leiser Höhepunkt des Museumsbesuchs. Kein großes Highlight im Reiseführer – aber ein Ort, der hängen bleibt.
Manchmal sind es eben nicht die Hauptattraktionen, sondern die Nebenorte, die einen Besuch besonders machen.
⛩ Ueno Tōshō-gū – ein Hauch von Nikko in Tokio
Mitten im Ueno Park liegt der Ueno Tōshō-gū Schrein, Tokugawa Ieyasu gewidmet – dem Gründer des Tokugawa-Shogunats, das Japan über mehr als 250 Jahre prägte. Seine Herrschaft brachte dem Land eine lange Phase relativer Stabilität und Isolation, die als Edo-Zeit in die Geschichte einging.
Wer später den prunkvollen Tōshō-gū in Nikkō besucht, erkennt hier bereits die architektonische Handschrift: reich verzierte Holzarbeiten, goldene Elemente und kunstvolle Details. Im Vergleich zu vielen schlichteren Schreinen in Tokio wirkt diese Anlage fast überraschend opulent.
Zwischen den Bäumen des Parks taucht der goldene Schrein beinahe unerwartet auf – wie ein verstecktes Juwel im Grünen. Der Kontrast zum weiten, offenen Park verstärkt diesen Eindruck noch.
Gleichzeitig bleibt die Atmosphäre angenehm ruhig. Kein Massenandrang, kein Gedränge – stattdessen Zeit, die Details zu betrachten und die Geschichte hinter diesem Ort ein wenig wirken zu lassen.
Für uns war es ein lohnenswerter Zwischenstopp: geschichtlich bedeutend, architektonisch interessant und ein weiterer Beweis dafür, dass Tokio selbst im Verborgenen kleine Schätze bereithält.
🚇 Suica & JR Pass – zwei wichtige Japan-Learnings
Am Ueno Bahnhof wollten wir endlich unsere Suica-Karten besorgen – und haben dabei etwas gelernt, das wir direkt weitergeben möchten:
👉 Am besten direkt am Flughafen kaufen.
Die Karten sind nicht an jedem Automaten verfügbar und zeitweise sogar limitiert. In einer Stadt wie Tokio, in der man ständig U-Bahn fährt, spart eine IC-Karte enorm Zeit. Kein Ticketziehen, kein Rechnen von Zonen – einfach durch das Drehkreuz tippen und weitergehen.
Für uns war die Suica im Stadtverkehr perfekt.
Für längere Strecken – etwa nach Kyoto – haben wir uns bewusst gegen den JR Pass entschieden und stattdessen Einzeltickets gebucht.
👉 Ausführlich erklären wir hier, wie die Suica Card funktioniert, wo man sie bekommt und wann sie sich wirklich lohnt: Suica Card Japan – Erfahrungen & Tipps
👉 Ob sich der JR Pass für eure Route lohnt oder Einzeltickets günstiger sind, zeigen wir detailliert hier: JR Pass oder Einzeltickets – unsere ehrliche Kostenanalyse
⛩ Nezu-Schrein – stille Schönheit abseits der Hauptpfade
Vom Ueno Park liefen wir weiter zum Nezu-Schrein – und hier änderte sich die Stimmung erneut. Weniger Park, weniger Stadt, mehr Zurückgezogenheit. Schon der erste Blick auf das rot lackierte Haupttor wirkte fast wie ein Übergang in eine ruhigere Welt.
Der Nezu-Schrein zählt zu den ältesten Schreinen Tokios; seine heutige Anlage stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat sogar die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs unbeschadet überstanden – eine Seltenheit in Tokio. Vielleicht ist es genau das, was man hier spürt: eine gewisse Beständigkeit.
Besonders beeindruckt hat uns der kleine Torii-Pfad im hinteren Teil der Anlage. Dutzende rote Schreintore reihen sich dicht aneinander und bilden einen Tunnel, der entfernt an Fushimi Inari in Kyoto erinnert – nur ohne die Menschenmassen. Statt Gedränge gab es hier leise Schritte auf Kies, das Rascheln der Blätter und Zeit zum Innehalten.
Die Anlage ist eingebettet in einen leicht hügeligen Garten mit gepflegten Wegen, blühenden Sträuchern und kleinen Brücken. Alles wirkt durchdacht, aber nicht inszeniert. Kein Spektakel, kein „Must-See“-Druck – sondern einfach ein Ort, an dem man gerne verweilt.
Für uns war es einer der bislang schönsten Orte in Tokio – gerade weil er nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt.
Natürlich durfte auch hier unser Goshuinchō nicht fehlen. Ein weiterer kunstvoller Stempel, ein weiterer Eintrag in unser still wachsendes Reisetagebuch.
🏘 Yanaka Ginza – Erwartungen und Realität
Von dort ging es weiter nach Yanaka Ginza, ein Viertel, das oft als „altes Tokio“ beschrieben wird. Vielleicht waren unsere Erwartungen zu hoch, vielleicht hatten wir ein etwas romantisiertes Bild im Kopf.
Die berühmte Einkaufsstraße ist überschaubar, gesäumt von kleinen Läden, traditionellen Süßigkeiten-Geschäften und einigen nostalgisch wirkenden Fassaden. Besonders am späten Nachmittag entsteht hier eine ruhige, fast dörfliche Atmosphäre. Weniger Neon, weniger Hektik – dafür Wohnhäuser, Nachbarschaftsläden und ein spürbar langsameres Tempo.
Allerdings sollte man wissen: Tokio wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört. Wirklich geschlossene historische Altstadt-Strukturen, wie man sie aus europäischen Städten kennt, existieren kaum noch. Yanaka vermittelt daher eher das Gefühl eines gewachsenen Wohnviertels mit traditionellem Flair als das einer historischen Altstadt im klassischen Sinne.
Für uns persönlich war es kein großes Highlight des Tages – aber dennoch ein interessanter Kontrast zu Shibuya oder Asakusa. Gerade diese Wechsel zwischen spektakulären Sehenswürdigkeiten und unspektakulären Alltagsvierteln machen das Gesamtbild von Tokio aus.
Manchmal sind es nicht die Postkartenmotive, sondern die stilleren Ecken, die ein Gefühl für das echte Leben vermitteln.
🌙 Asakusa bei Nacht – wenn die Stadt leiser wird
Am Abend kehrten wir nach Asakusa zurück – fast ein bisschen zufällig, fast wie ein Nachgedanke. Und genau dieser zweite Besuch machte den Unterschied.
Der Tempelbezirk, der tagsüber voller Stimmen, Kameras und Bewegung war, wirkte plötzlich verändert. Die großen Laternen am Kaminarimon leuchteten warm im Dunkeln, das Hōzōmon-Tor war sanft angestrahlt, und über dem Gelände lag eine Ruhe, die man hier am Nachmittag kaum für möglich gehalten hätte.
Tokio wirkt nachts anders. Nicht still im klassischen Sinne – aber konzentrierter, fast andächtig. Zwischen den beleuchteten Pagoden und den Schatten der Dächer entsteht eine Atmosphäre, die man tagsüber so nicht erlebt.
Wenn ihr die Möglichkeit habt, besucht Tempel und Schreine auch einmal am Abend. Nicht wegen besserer Fotos – sondern wegen der Stimmung. Sie ist intensiver, ruhiger und oft viel eindrucksvoller als im Trubel des Tages.
Und genau in solchen Momenten merkt man: Tokio ist nicht nur laut und futuristisch. Es kann auch leise und beinahe meditativ sein.
🎟 Zweites großes Learning – Planung schlägt Spontanität
Tag 3 war nicht nur kulturell lehrreich, sondern auch organisatorisch.
Spätestens jetzt wurde uns klar: Tokio verzeiht keine spontane „Wir schauen mal“-Mentalität bei beliebten Attraktionen.
Shibuya Sky – ausgebucht.
Tokyo Skytree – nur noch Randzeiten verfügbar.
TeamLab Borderless oder TeamLab Planets – teilweise Wochen im Voraus reserviert.
Was auf Social Media so mühelos aussieht, ist in der Realität oft minutiös geplant.
Unser Fazit nach diesen Erfahrungen:
Für stark nachgefragte Highlights sollte man mindestens ein bis zwei Wochen im Voraus buchen – in der Hochsaison eher noch früher.
Ja, das nimmt ein wenig Spontaneität. Aber es verhindert Enttäuschung. Und gerade wenn man mit Kindern reist, ist es deutlich entspannter, mit fixen Zeitfenstern zu arbeiten, statt vor Ort auf Restplätze zu hoffen.
Tokio ist organisiert – und genau das sollte man bei der eigenen Planung ebenfalls sein.
🏁 Fazit des dritten Tages
Nicht jeder Ort hat uns begeistert – und genau das gehört zu einer Reise dazu.
Ueno war kulturell interessant, mit viel Geschichte und Substanz.
Nezu hat uns mit seiner stillen Schönheit überrascht.
Yanaka blieb hinter unseren Erwartungen zurück.
Und Asakusa bei Nacht wurde zu einem dieser Momente, die man nicht plant – und nicht vergisst.
Tag 3 hat uns etwas Wichtiges gezeigt:
Tokio ist keine Stadt, die sich in Highlights messen lässt. Nicht jeder Spot ist spektakulär. Nicht jede Empfehlung wird zum persönlichen Favoriten.
Aber genau darin liegt die Stärke dieser Stadt.
Man kann hier nicht alles planen.
Nicht jede Kirschblüte erwischt man im perfekten Moment.
Nicht jedes „Geheimviertel“ ist ein verborgenes Juwel.
Doch man kann lernen, sich anzupassen. Erwartungen loszulassen. Den Fokus zu verschieben – vom Must-See zur eigenen Wahrnehmung.
Und vielleicht beginnt genau hier das echte Verständnis für Tokio.
Tag 4 – Tagesausflug nach Nikkō (UNESCO-Weltkulturerbe)
Heute verließen wir die Metropole. Keine U-Bahn, keine Neonlichter, kein urbaner Kontrast – sondern ein Tagesausflug in die Berge nördlich von Tokio.
Unser Ziel: Nikkō. Rund zwei Stunden entfernt – und UNESCO-Weltkulturerbe.
Schon die Fahrt dorthin fühlte sich wie ein Perspektivwechsel an. Hochhäuser wichen Landschaft, die Stadt wurde ruhiger, die Luft klarer. Genau das ist einer der großen Vorteile Tokios: Man ist schnell mitten in der Natur – ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Gebucht hatten wir die Tour im Voraus über GetYourGuide, durchgeführt wurde sie von Amigo Tours. Und das vorweg: klare Empfehlung.
Die Organisation war reibungslos, die Guides sympathisch und informativ, ohne überladen zu wirken. Gerade bei einer längeren Busfahrt macht es einen enormen Unterschied, wenn Hintergrundgeschichten kurzweilig erzählt werden und nicht wie ein Frontalvortrag klingen.
Und Nikkō braucht Kontext.
Denn was uns dort erwartete, war kein einzelner Tempel – sondern ein ganzes Ensemble aus Schreinen und Pagoden, eingebettet in dichten Wald, mit goldenen Verzierungen, kunstvollen Schnitzereien und einer Symbolik, die tief in Japans Geschichte verwurzelt ist.
Ein Tagesausflug – aber einer mit Gewicht.
🌉 Shinkyo-Brücke – der Übergang ins Heilige
Unser erster Halt in Nikkō war die berühmte Shinkyo-Brücke – und sie ist mehr als nur ein Fotomotiv.
Leuchtend rot spannt sie sich in einem eleganten Bogen über den Daiya-Fluss, eingerahmt von bewaldeten Hügeln. Schon aus der Ferne wirkt sie fast inszeniert – als würde sie bewusst den Übergang von der weltlichen in die spirituelle Sphäre markieren.
Und genau das ist ihre Bedeutung.
Die Shinkyo gilt traditionell als Tor zum heiligen Gebiet von Nikkō. Einer Legende zufolge soll der buddhistische Mönch Shōdō Shōnin hier im 8. Jahrhundert mithilfe göttlicher Kräfte den Fluss überquert haben – auf zwei riesigen Schlangen, die sich zu einer Brücke formten. Die heutige Konstruktion greift diese mythologische Verbindung auf.
Über Jahrhunderte durften nur der Kaiser und hohe Würdenträger die Brücke betreten. Für normale Besucher war sie tabu – ein exklusiver Übergang in eine sakrale Welt.
Heute kann man sie gegen Eintritt begehen, doch für uns reichte ein kurzer Halt vollkommen aus. Ein paar Schritte, ein paar Fotos, ein paar Minuten Innehalten.
Schön. Symbolisch. Historisch bedeutend.
Aber wir spürten schnell: Das eigentliche Highlight des Tages lag noch vor uns – verborgen im Wald oberhalb der Brücke.
🏯 Tōshōgū-Schrein – Gold, Macht und 400 Jahre Geschichte
Von der Shinkyo-Brücke führte der Weg stetig bergauf, vorbei an moosbewachsenen Steinlaternen und hohen Zedern, bis sich zwischen den Bäumen plötzlich etwas zeigte, das man in Japan so nicht erwartet.
Gold.
Der Tōshōgū-Schrein ist Tokugawa Ieyasu gewidmet – dem Mann, der im 17. Jahrhundert das Tokugawa-Shogunat begründete und Japan über mehr als 250 Jahre politisch stabilisierte. Nach seinem Tod wurde er hier vergöttlicht, und sein Enkel ließ diesen monumentalen Schrein errichten – nicht als bescheidene Gedenkstätte, sondern als klare Machtdemonstration.
Während viele Schreine in Japan schlicht, naturverbunden und fast minimalistisch wirken, ist Tōshōgū das Gegenteil. Farbenprächtige Holzschnitzereien, leuchtende Lackierungen, goldene Verzierungen und unzählige Details überziehen die Gebäude. Jeder Balken scheint gestaltet, jede Fläche erzählt eine Geschichte.
Es ist nicht nur ein religiöser Ort – es ist politische Symbolik in Architekturform.
Besonders beeindruckt hat uns die berühmte Schnitzerei der „Drei weisen Affen“: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Ein Motiv, das über 400 Jahre alt ist – und dennoch sofort verständlich. Unsere Kinder blieben stehen, schauten genauer hin und erkannten das Symbol sofort. Genau solche Momente verbinden Geschichte mit Gegenwart.
Je länger man durch die Anlage geht, desto mehr Details entdeckt man. Versteckte Figuren, feine Muster, überraschende Perspektiven. Fotografisch ist der Schrein ein Traum – aber selbst ohne Kamera wirkt er fast überwältigend.
Unser klares Fazit:
Hier sollte man sich Zeit nehmen.
Lieber an späteren Stopps kürzen als diesen Ort im Schnelldurchlauf besuchen. Wir hätten problemlos noch eine Stunde länger bleiben können – einfach nur, um Details zu entdecken und die Atmosphäre aufzunehmen.
💧 Kegon-Wasserfall – beeindruckend, aber nicht unser Highlight
Nach der opulenten Pracht des Tōshōgū-Schreins führte uns die Tour weiter in die Natur – zum Kegon-Wasserfall, einem der bekanntesten Wasserfälle Japans.
Aus rund 97 Metern Höhe stürzt das Wasser hier in die Tiefe, eingerahmt von steilen Felswänden und dichter Vegetation. Besonders im Herbst, wenn sich die Blätter färben, oder im Winter, wenn Teile des Falls gefrieren, soll dieser Ort noch einmal eine ganz eigene Wirkung entfalten.
Ohne Zweifel ist der Anblick beeindruckend.
Und doch – nach der Detailfülle, Symbolik und Geschichte der Tempelanlage zuvor – wirkte der Wasserfall auf uns etwas weniger intensiv. Vielleicht lag es am Kontrast, vielleicht an unseren Erwartungen.
Es war ein angenehmer Stopp, verbunden mit einer kurzen Mittagspause. Die Restaurants rund um die Aussichtsplattform sind solide und praktisch – aber eher funktional als kulinarisch erinnerungswürdig.
Unser ehrliches Fazit:
Wenn die Zeit knapp ist, würden wir persönlich mehr Minuten im Tōshōgū-Schrein investieren.
Der Wasserfall ist schön – aber das kulturelle Herz von Nikkō schlägt oberhalb der Brücke.
🌊 Chuzenji-See – Weite, Wind und ein letzter Blick in die Natur
Der letzte Programmpunkt unseres Tages führte uns zum Chuzenji-See, am Fuße des Vulkans Nantai gelegen – einem ruhenden Stratovulkan, der die Landschaft rund um Nikkō prägt.
Mit 1.269 Metern Höhe gehört der See zu den höchstgelegenen in Japan. Und das spürt man. Selbst im März war es deutlich kühler als in Tokio, der Wind frisch, die Luft klarer und rauer. Nach den goldenen Schreinen und dicht bewachsenen Wegen wirkte dieser Ort offener, weiter – fast nordisch in seiner Stimmung.
Die Landschaft ist ohne Zweifel reizvoll. Bei Sonnenschein oder zur Herbstlaubfärbung muss dieser See eine ganz eigene Magie entwickeln. In unserem Fall blieb es bei einem kurzen Fotostopp – der Wind machte längeres Verweilen wenig attraktiv.
Eine Bootstour hätte dem Ganzen sicher mehr Tiefe verliehen, doch im Rahmen einer geführten Tagestour ist die Zeit naturgemäß begrenzt.
Auch hier unser ehrliches Fazit:
Ein schöner Abschluss mit Naturblick – aber kein zwingender Programmpunkt, wenn die Zeit knapp ist.
Der eigentliche Zauber von Nikkō liegt für uns klar in seiner Geschichte und Architektur.
🚌 Rückfahrt – zwischen Müdigkeit und Nachklang
Die Rückfahrt nach Tokio dauerte rund drei Stunden – genug Zeit, um die Eindrücke sacken zu lassen.
Nach goldenen Schreinen, Bergluft und frischem Wind am See fühlte sich der Bus fast wie ein ruhiger Übergang zurück in die Metropole an. Draußen zogen Wälder und kleine Ortschaften vorbei, drinnen wurde erzählt, gelacht und erklärt.
Die Guides von Amigo Tours schafften genau die richtige Balance: informativ, aber nie belehrend. Historische Hintergründe wurden verständlich eingeordnet, kleine Anekdoten lockerten die Fahrt auf, und immer wieder gab es humorvolle Momente, die selbst nach einem langen Tag für Aufmerksamkeit sorgten.
Gerade bei organisierten Tagesausflügen ist die Qualität der Reiseleitung entscheidend. Man kann Orte sehen – oder man kann sie verstehen.
Und hier hat die Tour wirklich überzeugt.
Als wir am Abend wieder die Skyline Tokios sahen, fühlte sich die Stadt plötzlich anders an. Vertrauter. Vielleicht auch ein wenig größer – weil wir nun wussten, was nur zwei Stunden nördlich davon verborgen liegt.
🎎 Geisha-Abend im Hotel – unerwarteter Kulturmoment
Zurück im Hotel dachten wir eigentlich, der Tag sei vorbei. Doch Tokio hatte noch eine leise Überraschung für uns.
Am Abend fand im Hotel eine kleine Geisha-Vorführung statt – kein großes Theater, kein Bühnenlicht, sondern ein intimer Rahmen. Eine Tänzerin in kunstvoller Kimono-Kleidung, begleitet von traditioneller Musik, ruhige Bewegungen, kontrollierte Gesten, konzentrierte Eleganz.
Es war kein spektakuläres Event im westlichen Sinne – sondern eine sehr feine, fast zurückhaltende Darbietung. Und genau darin lag ihre Wirkung. Jede Bewegung wirkte bewusst gesetzt, jede Pause bedeutungsvoll.
Für die Kinder war es ein besonderer Moment: eine Kunstform, die man sonst nur aus Bildern kennt, plötzlich live vor sich zu sehen. Ohne große Distanz, ohne Inszenierung.
Eigentlich hatten wir geplant, ein Kabuki- oder Geisha-Theater zu besuchen. Doch wie bei Shibuya Sky oder TeamLab zeigte sich auch hier: Beliebte Kulturveranstaltungen in Tokio sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Vielleicht war es aber genau richtig so.
Kein großes Spektakel – sondern ein ruhiger, authentischer Abschluss eines Tages, der uns von goldenen Schreinen bis in die Berge geführt hatte.
🏁 Fazit des vierten Tages
Nikkō ist mehr als ein Tagesausflug. Es ist ein Perspektivwechsel.
Der Tōshōgū-Schrein allein rechtfertigt die Fahrt – mit seiner opulenten Architektur, seiner politischen Symbolik und den unzähligen Details, die man erst beim zweiten Blick entdeckt. Geschichte wird hier nicht nur erklärt, sondern sichtbar gemacht.
Die Kombination aus Schreinen, Berglandschaft und frischer Luft macht den Ausflug abwechslungsreich. Doch wenn die Zeit begrenzt ist, würden wir klar priorisieren: lieber länger in der Tempelanlage verweilen als jeden optionalen Naturstopp mitzunehmen.
Für uns war es einer der kulturell stärksten Tage der Reise.
Ein Tag mit einem klaren Highlight – und einigen ergänzenden Momenten, die das Gesamtbild abrunden.
Und wieder haben wir etwas gelernt:
Tokio ist riesig, pulsierend und vielschichtig.
Aber manchmal versteht man eine Stadt besser, wenn man sie für ein paar Stunden verlässt.
Erst der Kontrast macht die Dimension deutlich.
Tag 5 – Kaiserpalast, Skyline & ein sehr ehrlicher Skytree-Abend
Unser letzter voller Tag in Tokio sollte noch einmal alles verbinden, was diese Stadt ausmacht: Geschichte am Vormittag, futuristische Architektur am Nachmittag – und ein Lichtermeer bei Nacht.
Der Plan klang perfekt.
Ein Spaziergang rund um den Kaiserpalast, danach hoch hinaus auf den Tokyo Tower, weiter in Richtung Bucht nach Odaiba – und am Abend schließlich der große Abschluss: der Tokyo Skytree bei Nacht.
Tokio noch einmal von oben sehen. Bei Tageslicht. Und im Dunkeln.
Manchmal sind es genau diese Tage mit hohen Erwartungen, die eine Reise besonders ehrlich machen.
Und genau so wurde dieser Tag.
👑 Kaiserpalast – Planung ist hier alles
Am Vormittag wollten wir in die politische und historische Mitte Japans eintauchen: den Kaiserpalast, der auf dem Gelände des ehemaligen Edo-Schlosses steht und heute noch als offizielle Residenz des Tennō dient.
Unser ursprünglicher Plan war eine der öffentlichen Führungen durch den inneren Bereich der Anlage. Der Eintritt ist kostenlos – doch genau das macht es kompliziert. Pro Führung werden nur rund 300 Besucher zugelassen, und wer teilnehmen möchte, muss frühzeitig vor Ort sein oder sich im Voraus registrieren. Spontan vorbeischauen funktioniert hier kaum.
Vielleicht gehört das auch zur Symbolik dieses Ortes: zugänglich – aber nicht beiläufig.
Für uns bedeutete das an diesem Tag: Plan ändern statt warten.
Statt der Führung entschieden wir uns für den frei zugänglichen Ostgarten des Kaiserpalasts, der auf den Ruinen des alten Edo-Schlosses angelegt wurde. Ein weitläufiger Park mit massiven Steinmauern, gepflegten Rasenflächen und Überresten historischer Verteidigungsanlagen.
Hier steht nicht Prunk im Vordergrund, sondern Struktur. Keine goldenen Verzierungen wie in Nikkō, sondern schlichte Weite und die Erinnerung daran, dass Tokio einst als Edo eine der mächtigsten Städte der Welt war.
🌿 Ostgarten – Geschichte ohne Inszenierung
Der Ostgarten des Kaiserpalasts ist ruhig, gepflegt und historisch bedeutend. Zwischen alten Steinmauern und weitläufigen Grünflächen erkennt man noch die Dimensionen der früheren Edo-Burg – einst das Machtzentrum der Tokugawa-Shogune, lange bevor Tokio zur modernen Hauptstadt wurde.
Die massiven Mauern wirken beeindruckend, fast monumental. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie strategisch durchdacht diese Anlage einst war. Keine goldenen Schnitzereien, kein sakraler Prunk – sondern Macht in Form von Stein und Struktur.
Und doch blieb bei uns kein echtes „Wow“-Gefühl zurück.
Vielleicht liegt es daran, dass der Ort bewusst zurückhaltend gestaltet ist. Vielleicht auch daran, dass wir in den Tagen zuvor mit Tōshōgū oder Asakusa bereits emotional stärkere Eindrücke gesammelt hatten.
Wenn die Zeit knapp ist, würden wir diesen Programmpunkt daher nicht priorisieren. Er ist interessant – aber kein Muss im Vergleich zu anderen Highlights der Stadt.
Und auch hier bestätigte sich erneut ein Muster unserer Reise:
Spontane Planänderungen gehören in Tokio dazu.
Eigentlich hatten wir überlegt, im Anschluss ein digitales Kunsterlebnis wie teamLab zu besuchen – doch auch hier waren die Tickets bereits lange im Voraus ausgebucht. Für solche Highlights gilt weiterhin: frühzeitig reservieren.
🗼 Tokyo Tower – Retro-Charme mit Weitblick
Vom historischen Zentrum Tokios ging es weiter in die Höhe – zum Tokyo Tower.
Schon von unten wirkt der rot-weiß lackierte Turm fast nostalgisch. Er erinnert bewusst an den Pariser Eiffelturm – ist aber mit 333 Metern sogar 13 Meter höher. Errichtet wurde er 1958, in einer Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Teil des Stahls stammte tatsächlich aus recyceltem Material ehemaliger Militärfahrzeuge – ein Symbol für ein Land im Neuanfang.
Vielleicht ist es genau diese Geschichte, die dem Tokyo Tower seinen besonderen Charakter verleiht.
Wir konnten die Tickets spontan am selben Tag buchen – ohne lange Wartezeiten, ohne Gedränge. Oben angekommen überraschte uns vor allem die Atmosphäre: ruhig, angenehm, fast entspannt. Keine Massen, kein Gedränge vor den Fenstern.
Tagsüber wirkt Tokio von hier oben klar strukturiert. Straßenzüge ziehen sich wie Linien durch die Stadt, Hochhäuser stehen dicht nebeneinander, und dazwischen tauchen immer wieder grüne Parkflächen oder kleine Tempeldächer auf. Die Dimension der Stadt wird sichtbar – aber nicht überwältigend.
Unser Eindruck war eindeutig:
Der Tokyo Tower fühlt sich persönlicher an. Atmosphärischer. Sympathischer.
Er mag nicht der höchste Aussichtspunkt der Stadt sein – aber vielleicht der charmanteste.
🚝 Yurikamome-Linie – wie ein Kino auf Schienen
Unser nächstes Ziel war Odaiba, Tokios futuristische Hafeninsel – doch schon die Fahrt dorthin wurde zu einem kleinen Highlight.
Wir nahmen die Yurikamome-Linie, eine vollautomatische Hochbahn ohne Fahrer. Keine Kabine vorne, kein Zugführer – nur eine große Scheibe mit freiem Blick auf die Strecke. Und genau dort sollte man sitzen.
Mit etwas Glück bekommt man einen Platz in der ersten Reihe. Dann fühlt sich die Fahrt tatsächlich wie ein Panoramakino an. Die Bahn gleitet lautlos über die Rainbow Bridge, Hochhäuser ziehen vorbei, Containerhäfen wechseln sich mit futuristischen Gebäuden ab, und langsam öffnet sich der Blick auf die Bucht von Tokio.
Es ist kein hektisches Großstadtgefühl mehr – eher ein Schweben zwischen Stahl, Glas und Wasser.
Unsere Kinder waren begeistert. Und wir ehrlich gesagt auch.
Manchmal sind es genau diese Übergänge zwischen zwei Stadtteilen, die zeigen, wie vielseitig Tokio wirklich ist.
🗽 Odaiba – Skyline & Freiheitsstatue
In Odaiba angekommen, schlenderten wir entlang der Promenade – und standen plötzlich vor einem vertrauten Symbol.
Eine Freiheitsstatue. Mitten in Tokio.
Zwar deutlich kleiner als das Original in New York, doch mit der Rainbow Bridge im Hintergrund und der Skyline der Stadt im Rücken entsteht ein beinahe surreales Bild. Wer selbst schon einmal in Manhattan war – oder unseren New York mit Kindern Reisebericht gelesen hat – erkennt sofort die Parallelen. Und zugleich die Unterschiede.
Hier ist alles etwas inszenierter. Glatter. Futuristischer.
Tokio liebt solche Kontraste.
Ein Eis in der Hand, das Wasser der Bucht vor uns, Hochhäuser im Abendlicht – und für einen Moment fühlt sich Odaiba tatsächlich wie eine Mischung aus New York und Science-Fiction an. Urban, modern, fast ein wenig künstlich – aber genau das macht seinen Reiz aus.
Es ist kein historisches Viertel. Es ist ein bewusst gestalteter Stadtraum.
Und als solcher funktioniert er erstaunlich gut.
🚤 Bootstour mit Tokyo Cruise – entspannter geht es kaum
Von Odaiba aus entschieden wir uns für einen Perspektivwechsel – zurück nach Asakusa nicht mit der Bahn, sondern über das Wasser. Die Tickets für Tokyo Cruise hatte ich vorab online gebucht, was sich im Nachhinein als kluge Entscheidung erwies.
Schon beim Ablegen veränderte sich die Stimmung.
Der Lärm der Stadt trat in den Hintergrund, das Wasser glitt ruhig unter dem Schiff entlang, und die Skyline wirkte aus dieser Distanz plötzlich weniger dominant. Hochhäuser spiegelten sich im Fluss, Brücken spannten sich elegant über das Wasser, und mit jedem Meter entfernten wir uns ein Stück vom urbanen Tempo.
Besonders im Licht des späten Nachmittags bekam Tokio eine fast weiche Kontur. Die harte Geometrie der Gebäude verlor ihre Strenge, und die Stadt wirkte weniger hektisch, beinahe majestätisch.
Es war einer dieser unerwartet stillen Momente.
Vom Wasser aus sieht man nicht nur Gebäude – man erkennt Zusammenhänge. Die Weite der Stadt. Die Verbindung von Moderne und Tradition. Die Dimension.
Und genau in solchen Augenblicken merkt man: Perspektive verändert Wahrnehmung.
🌃 Tokyo Skytree – Höhe allein macht noch keine Magie
Am Abend wollten wir Tokio noch einmal im Lichtermeer erleben. Nach dem entspannten Tokyo Tower am Nachmittag schien es nur konsequent, die Stadt nun auch vom höchsten Aussichtspunkt Japans aus zu betrachten – dem 634 Meter hohen Tokyo Skytree.
Die Tickets hatten wir vorsorglich im Voraus gebucht, sogar das Doppelticket für Deck und Galerie. Eigentlich fühlten wir uns gut vorbereitet.
Doch schon unten im Eingangsbereich merkten wir, dass dieser Abend anders verlaufen würde als geplant. Trotz Zeitfenster bildeten sich Schlangen. Es ging vorwärts, aber langsam. Sicherheitskontrolle, Aufzug, nächste Wartezone. Als wir schließlich oben ankamen, war die Galerie bereits dicht gefüllt. Stimmen hallten durch den Raum, Kameras blitzten, und die Luft war spürbar warm und schwer.
Die Aussicht selbst ist ohne Frage beeindruckend. Tokio bei Nacht wirkt von hier oben endlos – ein Meer aus Lichtpunkten, Straßenlinien und leuchtenden Hochhäusern, das sich bis zum Horizont zieht. Man erkennt die schiere Größe dieser Stadt wie sonst nirgendwo.
Und doch fehlte etwas.
Vielleicht war es die Ruhe. Vielleicht die Möglichkeit, wirklich stehenzubleiben und diesen Moment wirken zu lassen. Die Fenster sind deutlich vom Geländer entfernt, was Fotografieren schwierig macht und das Gefühl verstärkt, auf Distanz zur Stadt zu bleiben. Statt eines stillen Staunens entstand eher ein ständiges Vor- und Zurückweichen, ein Suchen nach einem freien Platz.
Im direkten Vergleich wirkte der Tokyo Tower am Nachmittag fast intimer. Persönlicher. Atmosphärischer.
Der Skytree war höher – aber nicht eindrucksvoller.
Vielleicht lag es an der Uhrzeit, vielleicht am Wochentag. Doch an diesem Abend blieb bei uns das Gefühl zurück, dass Superlative allein kein Erlebnis garantieren.
Und genau das gehört eben auch zu einer ehrlichen Reise dazu.
🏁 Fazit des fünften Tages
Dieser Tag war vielleicht das beste Sinnbild für Tokio selbst.
Am Vormittag bewegten wir uns zwischen den Mauern des ehemaligen Edo-Schlosses, dort, wo politische Geschichte in Stein gegossen wurde. Am Nachmittag stand der Tokyo Tower für Wiederaufbau, Optimismus und einen fast nostalgischen Charme. In Odaiba tauchten wir in eine futuristische Kulisse aus Glas, Stahl und künstlicher Skyline ein. Und am Abend zeigte uns der Skytree, dass Größe allein noch kein Gefühl erzeugt.
Tokio kann historisch sein, retro, experimentell, visionär – manchmal alles innerhalb weniger Stunden.
Wenn wir wählen müssten, wäre unsere Entscheidung klar:
Der Tokyo Tower jederzeit wieder. Wegen der Atmosphäre, der Ruhe und der besonderen Perspektive.
Der Skytree hingegen nur mit viel Geduld – oder vielleicht gar nicht. Nicht weil er schlecht wäre, sondern weil er für uns nicht das gehalten hat, was wir uns erhofft hatten.
Und wieder haben wir etwas über diese Stadt gelernt:
In Tokio ist höher nicht automatisch besser.
Manchmal liegt die stärkere Erinnerung nicht in der Superlative, sondern im Gefühl.
✨ Unser Fazit zu Tokio
Fünf Tage voller Kontraste, Kultur und Großstadtenergie haben uns gezeigt, dass Tokio weit mehr ist als nur eine riesige Metropole.
Vom ersten Tempelstempel im Sensō-ji über das geordnete Chaos an der Shibuya Crossing bis zur unerwarteten Stille im Wald des Meiji-Schreins – jeder Tag brachte neue Perspektiven. Der Blick vom Tokyo Tower über das scheinbar endlose Häusermeer, die Skyline vom Wasser aus auf dem Weg zurück nach Asakusa und selbst unsere kleinen Learnings rund um Tickets und Planung gehören inzwischen fest zu dieser Reise dazu.
Tokio vereint Gegensätze wie kaum eine andere Stadt: Neonlicht und Räucherwerk, jahrhundertealte Schreine und futuristische Architektur, absolute Präzision im Alltag und überraschende Momente der Ruhe. Genau dieses Spannungsfeld macht den besonderen Reiz aus.
Für uns als Familie war Tokio intensiver als erwartet – aber gleichzeitig strukturierter, sicherer und entspannter, als wir es uns im Vorfeld vorgestellt hatten. Wenn man nicht versucht, alles auf einmal zu sehen, sondern sich treiben lässt, entfaltet die Stadt eine besondere Magie.
Nach fünf Tagen hatten wir nicht das Gefühl, Tokio „abgehakt“ zu haben. Im Gegenteil: Wir haben einen ersten, tiefen Eindruck gewonnen – und wissen gleichzeitig, dass diese Stadt noch viele weitere Geschichten bereithält.
さようなら、東京 – bis zum nächsten Mal.
🧭 Was wir nach 5 Tagen Tokio mit Kindern wirklich verstanden haben
- Tokio ist riesig – aber nie chaotisch.
- Man braucht weniger Programmpunkte als man denkt.
- Tempel am Abend sind oft magischer als am Tag.
- Vorab-Tickets sind in Tokio kein Luxus, sondern notwendig.
- Eine zentrale Unterkunft spart jeden Tag Energie.
- Tokyo Tower schlägt Skytree – zumindest für uns.
- UNESCO-Ausflüge wie Nikkō geben der Reise Tiefe.
- Mit Suica fühlt sich selbst der Nahverkehr entspannt an.
- Tokio ist nicht billig – aber fair bepreist.
- Man plant Tokio nicht komplett. Man erlebt es.
🚅 Die Reise geht weiter
Nach fünf intensiven Tagen in Japans Megacity hieß es für uns: Abschied nehmen von Neonlichtern, Hochbahnen und Skyline – und weiter mit dem Shinkansen in eine ganz andere Welt.
Kyoto wartete.
Die Stadt der Tempel, Bambuswälder und jahrhundertealten Traditionen. Weniger Hochhäuser, mehr Geschichte. Weniger Tempo, mehr Tiefe.
Tokio war der perfekte Auftakt – strukturiert, modern und voller Energie.
Kyoto sollte ruhiger werden. Klassischer. Und auf eine ganz eigene Weise ebenso beeindruckend.
👉 Weiterlesen: Kyoto mit Kindern – Tempel, Bambuswald & Gion (folgt)
👉 Zur Übersicht: Unsere komplette Japan-Reise mit Kindern – Route, Highlights & Planung
Tokio war der Einstieg.
Die Reise ging weiter – und sie wurde noch einmal ganz anders.
❓ FAQ – Häufige Fragen zu Tokio
🌏 Ist Tokio mit Kindern eine gute Idee?
Ja – absolut. Tokio wirkt auf den ersten Blick riesig, laut und überwältigend. In der Realität ist die Stadt jedoch extrem gut organisiert, sicher und sauber. Öffentliche Verkehrsmittel funktionieren zuverlässig, Wege sind klar ausgeschildert und selbst in belebten Vierteln bleibt alles strukturiert.
Für Familien ist Tokio überraschend entspannt – wenn man nicht versucht, zu viel auf einmal zu sehen.
🗓 Wie viele Tage sollte man für Tokio einplanen?
Wir empfehlen mindestens 4–5 Tage.
So bleibt genug Zeit für:
- Asakusa & Sensō-ji
- Shibuya & Harajuku
- Meiji-Schrein
- eine Aussichtsplattform (Tokyo Tower oder Skytree)
- einen Tagesausflug, z. B. nach Nikkō (UNESCO)
Mit weniger Zeit fühlt sich Tokio schnell wie „Programm abarbeiten“ an – und genau das wird der Stadt nicht gerecht.
🔐 Ist Tokio sicher für Familien?
Ja – Tokio gehört zu den sichersten Großstädten der Welt.
Wir haben uns zu jeder Tageszeit sicher gefühlt – auch abends in Shibuya oder in den kleineren Straßen von Asakusa. Kinder können sich frei bewegen, niemand bedrängt oder stört.
Natürlich bleibt es eine Millionenstadt – aber mit einer außergewöhnlich respektvollen Alltagskultur.
💰 Ist Tokio teuer?
Zu der Zeit unserer Reise: Nein – ganz im Gegenteil.
Durch den günstigen Wechselkurs war Tokio für uns überraschend preiswert. Gerade beim Essen haben wir zu fünft oft viel weniger bezahlt als in Deutschland.
Ein gutes Beispiel:
Ein T-Shirt bei Uniqlo kostete in Tokio rund 10 €.
Wenige Wochen später sahen wir exakt das gleiche T-Shirt in Kopenhagen – dort lag der Preis bei 30–40 €.
Auch Sushi, Ramen oder Burger waren im Verhältnis zur Qualität sehr fair bepreist. Tokio ist also nicht automatisch teuer – es hängt stark vom Wechselkurs und vom eigenen Lebensstil ab.
💳 Braucht man in Tokio viel Bargeld?
Nein – wir haben fast alles mit Kreditkarte bezahlt. Restaurants, Hotels, Tickets, Shops – Kartenzahlung war nahezu überall möglich. Bargeld braucht man nur für kleinere Beträge oder in sehr traditionellen Läden.
👉 Wichtig ist eine gute Reisekreditkarte ohne hohe Auslandseinsatzgebühren.
Unsere Erfahrungen und Empfehlungen findest du in unserem Kreditkarten-Guide für Reisen.
🗣 Kommt man in Tokio mit Englisch zurecht?
Grundsätzlich ja – aber nicht überall.
In Hotels, an Bahnhöfen und bei Sehenswürdigkeiten ist Englisch Standard. In kleineren Restaurants oder Geschäften kann es eingeschränkt sein – mit Google Translate funktioniert jedoch fast alles problemlos. Viele Tickets lassen sich bequem vorab online auf Englisch buchen.
🚅 Braucht man in Tokio den JR Pass?
Nicht zwingend. Für unseren Aufenthalt in Tokio selbst haben wir ausschließlich die Suica Card genutzt – ideal für U-Bahn, Bus und kleine Einkäufe.
Für die Strecke Tokio–Kyoto haben wir Einzeltickets für den Shinkansen gebucht. In unserem Fall war der JR Pass nicht notwendig.
👉 Unsere ausführliche Einschätzung mit Rechenbeispielen findest du im JR-Pass-Guide.
🎫 Ist die Suica Card sinnvoll?
Ja – unbedingt. Die Suica Card macht das Reisen in Tokio extrem unkompliziert. Kein Ticketkauf vor jeder Fahrt, einfach durch die Schranke tippen.
Unser Tipp: Direkt am Flughafen besorgen. In der Stadt sind die Karten nicht immer verfügbar.
👉 Unsere persönlichen Erfahrungen zur Suica Card findest du Suica-Guide.
🎟 Muss man Tickets für Aussichtsplattformen & Museen vorab buchen?
Ja – unbedingt rechtzeitig. Für:
- Shibuya Sky
- teamLab
- Tokyo Skytree (je nach Uhrzeit)
sollte man mindestens 1–2 Wochen im Voraus reservieren. Spontan bekommt man oft keine Tickets mehr – das haben wir selbst erlebt.
🗼 Tokyo Tower oder Tokyo Skytree – was lohnt sich mehr?
Für uns ganz klar: Tokyo Tower. Weniger überlaufen, entspannter, angenehmer. Der Skytree ist höher – aber deutlich voller und weniger atmosphärisch. Wer die Wahl hat, sollte zuerst den Tokyo Tower besuchen.
🏨 Wo sollte man in Tokio mit Kindern übernachten?
Eine zentrale Lage ist entscheidend. Asakusa eignet sich hervorragend für Familien:
- gute U-Bahn-Anbindung
- fußläufige Tempelanlage
- ruhiger als Shibuya oder Shinjuku
- viele Restaurants in direkter Nähe
Lieber etwas zentraler buchen – das spart jeden Tag Wege und Energie.
🗾 Lohnt sich ein Tagesausflug von Tokio aus?
Ja – sehr sogar. Unser Ausflug nach Nikkō (UNESCO-Weltkulturerbe) war eines der Highlights der Reise. Der Tōshōgū-Schrein mit seinen goldenen Verzierungen bietet einen beeindruckenden Einblick in Japans Geschichte. Tokio ist perfekt angebunden – Natur und Kultur sind nie weit entfernt.
👨👩👧👦 Ist Tokio auch für jüngere Kinder geeignet?
Ja – wenn man das Tempo anpasst. Große Parks (Yoyogi, Ueno), viele visuelle Eindrücke, strukturierte Abläufe und die saubere Umgebung machen Tokio auch mit jüngeren Kindern machbar. Wichtig ist nur: Nicht zu viele Programmpunkte pro Tag planen.
👉 Unsere Empfehlungen für Tokio
Tokio ist riesig – aber mit der richtigen Planung überraschend unkompliziert.
Diese Hotels, Tickets und Erlebnisse haben unsere Reise deutlich entspannter gemacht – und genau das würden wir wieder genauso buchen.
🏨 Hotels in Tokio
Asakusa View Hotel Annex Rokku – modern, ruhig, perfekte Lage nahe Sensō-ji, ideal für Familien & ersten Tokio-Besuch.
→ Verfügbarkeit prüfen
Genereller Tipp: Unterkunft in U-Bahn-Nähe spart täglich Zeit & Energie – besonders mit Kindern.
[weitere Unterkünfte folgen]
🎟 Tickets & Attraktionen
Tokyo Tower – unsere klare Empfehlung
Entspannte Atmosphäre, tolle Aussicht, weniger überlaufen als der Skytree.
→ Tickets ansehen
Shibuya Sky – unbedingt vorab buchen
Spektakuläre Rooftop-Aussicht, oft 1–2 Wochen im Voraus ausverkauft.
→ Tickets ansehen
Tokyo Skytree – wenn, dann mit Zeitfenster
Am besten vormittags oder unter der Woche besuchen.
→ Tickets ansehen
teamLab (Borderless / Planets)
Digitale Kunstwelt – extrem beliebt, früh reservieren.
→ Tickets ansehen
Nikkō Tagesausflug (UNESCO)
Tōshōgū-Schrein & Natur – echtes Highlight außerhalb Tokios.
→ Tour ansehen
🗺️ Touren & besondere Erlebnisse
Tokyo Cruise (Odaiba → Asakusa)
Skyline vom Wasser erleben – entspannte Alternative zur Metrofahrt.
→ Tour ansehen
Yurikamome-Fahrt nach Odaiba
Ganz vorne einsteigen für Panorama-Feeling über die Rainbow Bridge.
Meiji-Schrein & Yoyogi Park
Perfekter Kontrast zu Shibuya – morgens besonders atmosphärisch.
Goshuinchō Stempelbuch
Direkt am ersten Tempel kaufen – eine wunderschöne Reise-Erinnerung.
🚄 Transport & Planung
Shinkansen Tokio–Kyoto
Pünktlich, leise, komfortabel – wir würden jederzeit wieder den Zug nehmen.
JR Pass – lohnt sich das wirklich?
Unsere ehrliche Einschätzung mit Rechenbeispielen findest du hier:
→ JR-Pass-Guide
Suica Card – absolut empfehlenswert
Kein Ticketkauf, einfach durch die Schranke tippen.
→ Suica-Guide
📱 Internet, Kreditkarte & Organisation
Reisekreditkarte ohne Auslandseinsatzgebühren
Wir haben nahezu alles mit Karte bezahlt.
→ Kreditkarten-Guide
eSIM Japan
Für Navigation, Tickets & spontane Planung extrem hilfreich.
→ eSIM Guide
Wichtig:
Tickets für Shibuya Sky, teamLab oder Shows mindestens 1–2 Wochen vorher prüfen – spontan bekommt man oft nichts mehr.
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